Eric Ndikumana: Projektkoordinator

Unsere Arbeitsphilosophie

Gemeinsam handeln – frei von kolonialen Mustern, getragen von echter Partnerschaft

Die Arbeit von franziskus‑burundi.ch ist geprägt von der Überzeugung, dass nachhaltige Entwicklung nur dort gelingt, wo Menschen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Die Erkenntnisse aus der Sternstunde Philosophie mit der simbabwischen Schriftstellerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga (21.06.2026) bestärken uns in diesem Weg: Koloniale Herrschaft wurde nicht nur mit Waffen durchgesetzt, sondern vor allem durch Erzählungen, die Afrika als „rückständig“, „bedürftig“ oder „chaotisch“ darstellten. Diese Narrative wirken bis heute nach – in Medien, Politik, Entwicklungszusammenarbeit und auch in kirchlichen Kontexten.

Wir nehmen diese historischen Tatsachen ernst. Sie prägen unsere Haltung, unsere Sprache und unsere Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rwibaga. Unsere Arbeitsphilosophie ist deshalb ein bewusstes Gegenmodell zu kolonialen Mustern: Sie setzt auf Respekt, Selbstbestimmung, Transparenz und gemeinsame Verantwortung.

Wir anerkennen lokale Expertise als gleichwertig

Koloniale Narrative stellten afrikanisches Wissen als minderwertig dar. Wir tun das Gegenteil: Die Menschen in Rwibaga – Gemeinderäte, Gesundheitsfachkräfte, Familien, Jugendliche – sind Expertinnen und Experten ihres Lebensraums. Projekte entstehen deshalb mit ihnen, nicht für sie. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Prioritäten gemeinsam gesetzt.

Wir leben echte Partizipation

Partizipation ist für uns kein formaler Schritt, sondern ein Machttransfer. Die Gemeinde Rwibaga definiert ihre eigenen Prioritäten: Wasser, Bildung, Gesundheit, Ernährungssicherheit. Frauen, Jugendliche und marginalisierte Gruppen werden gezielt einbezogen. Nur so entsteht Entwicklung, die trägt.

Wir stärken kulturelle Selbstbestimmung

Tsitsi Dangarembga zeigt, wie wichtig eigene Erzählungen und kulturelle Identität sind. Deshalb unterstützen wir lokale Traditionen, Sprachen und Ausdrucksformen. Die Menschen in Rwibaga sollen ihre eigenen Geschichten erzählen – in Bildern, Worten, Liedern und Projekten.

Wir reflektieren christliche Mission kritisch

Als christlich geprägte Menchen wissen wir um die ambivalente Rolle der Mission in der Kolonialgeschichte. Die Spiritualität darf kein Instrument der Einflussnahme sein, sondern ein Raum für Würde, Begegnung und gegenseitige Bereicherung.

Wir wählen unsere Sprache bewusst

Sprache schafft Wirklichkeit. Begriffe wie „Hilfe“ oder „Entwicklung“ tragen koloniale Bedeutungen in sich. Wir sprechen stattdessen von Partnerschaft, Rechten und Gerechtigkeit. Unsere Kommunikation – intern wie extern – soll stärken, nicht entmündigen.

Wir vermeiden Abhängigkeiten

Ein koloniales Grundmuster war die Darstellung Afrikas als dauerhaft „bedürftig“. Unsere Arbeit setzt bewusst auf Eigenständigkeit:

  • lokale Verantwortung

  • lokale Strukturen

  • lokale Kompetenzen Erfolge gehören allen Beteiligten – nicht dem Verein allein.

Wir sprechen Machtasymmetrien offen an

Koloniale Systeme funktionierten durch verdeckte Macht. Wir setzen auf Transparenz:

  • klare Rollen

  • offene Kommunikation

  • Reflexion eigener Privilegien

  • regelmässige Feedback‑Runden Nur wer Macht erkennt, kann sie fair teilen.

Wir geben der Gemeinde Rwibaga eine Stimme

Im Sinne Dangarembgas glauben wir an die Kraft des Erzählens. Deshalb machen wir die Stimmen der Menschen in Rwibaga sichtbar – durch Interviews, Fotos, Videos und Erfahrungsberichte. Sie erzählen ihre Realität. Wir hören zu.